Das KZ-Außenlager Dachau-Allach

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Überleben - Krankheit und Invalidentransporte


„In Allach lernte ich über Imre Wirtmann einen anderen Ungarn mit dem Namen Molnar kennen. Er war Oberarzt an einem größeren Krankenhaus in Budapest gewesen. Molnar war Internist gewesen und kannte sich recht gut mit Ernährung und Kalorien aus: Eines Abends, als wir zusammen auf der Kojenkante saßen, rechnete Molnar aus, wie viele Kalorien wir im Arbeitskommando verbrauchten. Die Rechnung zeigte, dass ein Gefangener ungefähr drei Monate mit dieser Kalorienmenge leben konnte. Dies unter der Voraussetzung, dass er keine
Extrakalorien zusätzlich zu der Ration bekam. Die Lebensdauer konnte auch kürzer sein, wenn der Gefangene einen Arbeitsunfall erlitt oder geschlagen oder getreten wurde.“ 1)
„Während meines Aufenthaltes im Lager Dachau - Kommando Allach wog ich 38,5 kg. Ich war am Ende meiner Kräfte. Kollegen sagten mir jedoch, ich solle mich nicht in das Revier begeben, denn ich könnte dort ermordet werden.Aus den Erzählungen anderer Häftlinge erfuhr ich, daß Häftlinge im Revier durch Injektionen von Leicht-Benzin und Phenol getötet werden - diesbezüglich kenne ich weder die Namen der Opfer noch irgendwelche Einzelheiten. Unter den Häftlingen kursierte das Gerücht, daß im Dachauer Lager der
Plan von Massentötungen von Häftlingen vorhanden war. Es wurde auch davon gesprochen, daß die Entscheidung zur Ermordung von Häftlingen durch Spritzen vom Lagerkommandanten selbst getroffen wurden.“ 2)
Vom O.T.-Lager direkt zur Ermordung nach Auschwitz oder Hartheim. Wer ernsthaft krank wurde und im O.T.-Lager blieb, war nicht mehr „einsatzfähig“. Häftlinge aus Allach berichten über eine Selektion durch den Einsatzarzt der O.T.. Mehrfach wurden nicht mehr einsatzfähige Häftlinge ab September 1944 zu einem „Invalidentransport“ zusammengestellt und über Dachau nach Auschwitz oder Hartheim gebracht; dort nach ihrer Ankunft ermordet.
„Es war ein Privileg, in der Krankenbaracke arbeiten zu können. Wir hatten nicht die ganze Zeit die SS um uns und brauchten nicht all die bestialischen Ereignisse miterleben, die draußen in den Arbeitskommandos geschahen. Nur zweimal in der Woche bekamen wir Besuch von einem SS-Sanitätsoffizier. Man sollte annehmen, dass Sanitätsoffiziere da waren, um für die Gesundheit der Leute zu sorgen, aber so war es hier nicht. Ihre Aufgabe war nicht zu helfen, sondern die Gefangenen, die nicht innerhalb einer angemessenen Zeit wieder arbeitstüchtig würden, wegzukriegen. Diese wurden in das Hauptlager Dachau geschickt.
In meiner Zeit erlebte ich nicht einmal, dass einer von ihnen zurückkam. Es ist möglich, dass sie in das Lagerkrankenhaus in Dachau zur Behandlung eingewiesen und später als Arbeitskraft im Hauptlager eingesetzt wurden, aber das bezweifele ich. Ich glaube, die Fahrt in das Hauptlager war ihre letzte.“ 3)

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