Strafe - Selektion - Tod


„Etwa Ende Oktober 1944 wurde der Leidensgenosse Isaak Schmilovits des Diebstahls eines Stückes Brotes beschuldigt. Kapo Knoll meldete den Fall dem Lagerführer [Jarolin]. Der Lagerführer befahl dem Schmilovits 25 Stockhiebe zu geben. Die Exekution erfolgte vor allen angetretenen Lagerinsassen. Einer der SS-Wachmannschaften, ein etwa 40-jähriger, niedriggewachsener, dunkelhaariger Mann hatte die Strafe - im Angesicht des Lagerführers vollzogen. Schmilovits - ein gesunder starker Mann - verstarb kurz nach der Bestrafung. “ 1)

„Wir Juden hatten in Allach rote Dreiecke. (...) Als im Winter 1944 ein Leidensgefährte (...) sich von der Decke einen Streifen abschnitt, mit dem er seine Füße einwickelte. Dies tat er, damit er in den Holzschuhen, dessen Oberteil - steifgefroren - den Fuss blutig rieb, weniger zu leiden hat. Der Häftling wurde bei der Kontrolle vor Abmarsch zur Arbeit aus der Reihe gezogen und stand den ganzen Tag im Frost im Lager. Als wir von der Arbeitsschicht zurückkehrten (...) wurden [wir] am Appellplatz belassen. Neben dem Lagertor stand der gestrafte Leidensgenosse mit einer Aufschrift auf der Brust: „Sabotage ist mein Tod“. Dann erschien der Lagerkommandant in Begleitung von 2 SS-Angehörigen mit 2 Hunden. (...) Die Hunde wurden dann auf den Häftling gehetzt. Sie warfen ihn zu Boden, ein Hund hat dem Leidensgenossen die Hoden abgebissen. Wir mußten stehend zusehen, bis der Arme verblutete. (...) Vom Hörensagen wußte ich auch von Tötung[en] im Bunkerkommando (BMW), wo auch tödliche Arbeitsunfälle vorkamen.“ 2)

„Etwa zwei Monate vor der Evakuierung des Lagers [Februar 1945] wurden die Geschwächten - in der Zahl etwa 100 - 150 Mann von dem Lager entfernt. Unter denen war auch mein Vater. Damals sah ich den Vater zum letzten Mal und soweit mir bekannt ist, kam keiner von denen zurück. (...) In Allach wurden die Häftlinge grausam geprügelt. Mein Vater, der ins Lager als starker Mann gebracht wurde, ist schwer geprügelt worden. Dies geschah bei einem Appell (...). Mein Vater hat sich von den erhaltenen Hieben nicht mehr erholt, dies war auch der direkte Grund, weshalb er - mit seinesgleichen - vom Lager entfernt wurde - was seinen Tod herbeiführte. (...)“ 3)

„Es war ein allgemeiner Zustand der Auflösung in diesem Lager, irgendeine Arbeit oder eine Beschäftigung haben wir nicht ausgeübt. Die Zahl der Opfer ging in die Hunderte oder in die Tausende.“ 4)

„Spezialkommandos warfen die Körper aus dem Zug in das tiefe Loch. Ich konnte mich nur noch bis zum Krater schleppen und legte mich am Rand zwischen die Toten, ohne Kraft mich noch weiter zu bewegen. Immer mehr tote Körper wurden um mich herum hingeworfen. Da und dort sah ich einige immer noch leicht atmen. Sie starben bald an Erstickung, da weitere Leichen auf sie gestapelt wurden. Öfter musste ich mich auf dem Boden vor- oder zurückrollen, um demselben Schicksal zu entgehen. Schubkarren wurden von Häftlingen des Spezialkommandos geschoben und die Leichen hineingeworfen. Zwei Männer hoben mich auf. Ich sagte ihnen, dass ich noch lebte, aber nicht gehen konnte. Dies machte für sie keinen Unterschied. Sie sagten mir, ich sollte dies im Lager erzählen, wo sie uns aufnehmen wollten. Daraufhin warfen sie mich zwischen die Leichen auf den Karren. Eine Leiche nach der anderen wurde auf mich geworfen.“ 5)

„1. MAI 1945 Morgens mache ich einen Spaziergang durch das Lager. Vor einer Revierbaracke mit kranken und erschöpften Häftlingen der letzten Transporte liegen auf einem Haufen mehr als 50 abgemagerte Skelette. Das Revierpersonal legt weitere Tote auf den Haufen ab (XVII).“  6)